Gülru Ensari & Herbert Schuch spielen Brahms’ Walzer aus op. 39 in Verbindung mit Hindemiths Walzer op. 6

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Im 19. Jahrhundert vergnügte sich das Wiener Bürgertum gerne beim walzerseligen Tanzen im Dreivierteltakt. Man ging auf den Tanzböden der Habsburgermonarchie auf Tuchfühlung und kreiste paarweise übers Parkett. Auch Johannes Brahms erwies der Gattung des Walzers seine Reverenz: mit den so populären 16 Walzern op. 39, was den Wiener Kritikerpapst Eduard Hanslick zu der süffisanten Frage veranlasste: „Der ernste, schweigsame Brahms, der echte Jünger Schumanns, norddeutsch, protestantisch und unweltlich wie dieser, schreibt Walzer? Ein Wort löst uns das Rätsel, es heißt: Wien.“ Rund 50 Jahre später wandte sich der junge Paul Hindemith der Gattung zu. Trotz aller Distanz und Ironie bemerkt man bei tieferem Hineinhorchen und Hinsehen in seinen Walzern die Nähe zu denen von Johannes Brahms.

„Mehr als ein gutes Geschäft“

Brahms lag viel an einer Verbindung von populärer und kunstvoller Musik, die er vor allem im hausmusikalischen Musizieren verbinden wollte. Die damals beliebte wie gängige Form hierfür war die Besetzung für Klavier zu vier Händen, die den Walzer in einer Art von ungebrochener Natürlichkeit wiedergeben konnte, aber auch zunehmend in den Konzertsaal übernommen wurde. Der Komponist bot die Werke in weiteren, unterschiedlichen Besetzungen u.a. dem Verleger Rieter-Biedermann an, der, wie Clara Schumann später schrieb, damit „mehr als ein gutes Geschäft“ machte. Brahms mit seinem Hang zum Walzer schätzte die entsprechenden Werke von Franz Schubert und Johann Strauß sehr, sein op. 39 beschrieb er denn auch gegenüber Hanslick als „zwei Hefte kleiner unschuldiger Walzer in Schubertscher Form“. Doch enthalten die Walzer bereits eine Vielzahl an kompositorischen Finessen, die in überkommener Walzerseligkeit schwelgen, diese aber gleichzeitig bereits demontieren: Sie irritieren durch rhythmische Unregelmäßigkeiten, chromatische Harmonik und Melodik und sogar polyphone Strukturen.

Von Wien in den Schwarzwald

Paul Hindemith hat Irritationen – wie er selbst sagt, die „Gabe des Zweifels“ – als Teil seiner schöpferischen Arbeit verstanden und sie für sein musikalisches Denken fruchtbar gemacht. Seine Kompositionen stehen im Spannungsfeld von avantgardistischer Provokation, „Neuer Sachlichkeit“ und der Suche nach einer allgemeingültigen Musiksprache. In seinem Frühwerk bis 1918, in das auch die Walzer op. 6 (1916) fallen, verstand er sich allerdings noch keineswegs als Komponist, sondern wollte eine mögliche Begabung nur planvoll ausprobieren. So entstanden die Walzer für das gemeinsame Musizieren am Konservatorium, und doch zeigen sie bereits eine sichere musikalische Faktur sowie ein Adaptieren verschiedener Stile, die er dann auch schalkhaft bis ironisch beleuchtet: Vom Wienerischen ist hier wenig übrig geblieben, betitelt sind die Walzer denn auch mit „Drei wunderschöne Mädchen im Schwarzwald“. Hindemith bricht mit dem reinen Dreivierteltakt, bewegt sich in spätromantischer Harmonik, emanzipiert die Walzer-typische Begleitstimme. Auf der anderen Seite wurde die Sammlung auf dem Höhepunkt des Ersten Weltkriegs komponiert, der bei dem Komponisten traumatische Erfahrungen hinterließ. Die Walzer vermitteln insofern auch ein klares Gefühl der Trauer, insbesondere der siebte, in einer stacheligen, polytonalen und polyrhythmischen Sprache geschrieben, die sowohl innovativ als auch tragisch ist.

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